Wie geht es der Schweizer Expresslogistikbranche in Zeiten des Coronavirus?

Die Kurierfahrer gehören in diesen Krisenwochen zu den wenigen Berufsgruppen, die noch ausser Haus arbeiten, da sie ein wichtiger Baustein in der Versorgung der Schweizer Bevölkerung darstellen. Wissen Sie, was die vom Bundesrat verordneten Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus für die Schweizer Expresslogistikbranche bedeutet? Dies erfahren Sie im folgenden Interview mit Christoph Masoner, Co-Geschäftsführer der swissconnect ag, dem schnellsten und nachhaltigsten Kurierdienst der Schweiz. 

Luzern, 31. März 2020 - Michael Hauenstein, Leiter Marketing & Verkauf

Viele Branchen sind von den aktuellen Massnahmen betroffen und arbeiten nicht oder nur eingeschränkt. Funktioniert der Versand dringend benötigter Güter überhaupt noch? 

«Ja. Wir, das Netzwerk der schnellsten Schweizer Kurierdienste, liefern weiterhin in der gewohnten Geschwindigkeit und Qualität. Die Vorgaben des Bundesrates werden von den einzelnen Kurierfirmen umgesetzt, obwohl dies nicht ganz einfach ist und zu grossem Mehraufwand führt.»

Die swissconnect ag ist ein nationales Netzwerk, bestehend aus den schnellste 75 Kurierfirmen des Landes und einer zentralen Logistiksoftware. Wie wissen Sie, dass die Vorgaben des Bundesrates bei den lokalen Kurierfirmen umgesetzt werden?

«Mit den meisten Kurierfirmen arbeiten wir seit über 20 Jahren sehr eng zusammen und tauschen uns regelmässig aus - aktuell auch via Videokonferenzen. Um die Mitarbeiter und Kunden zu schützen, wurden eine ganze Reihe von konkreten Massnahmen getroffen. Dazu gehören unter anderem das regelmässige Händewaschen und desinfizieren, die Schliessung der Aufenthaltsräume und Umkleidekabinen, der Verzicht der digitalen Unterschrift auf dem Smartphone des Kuriers bei der Sendungsübergabe usw.»

Bei den 75 Partnerfirmen der swissconnect ag sind rund 500 Velo- und 200 Autokuriere beschäftigt. Wie geht es den Kurieren, die täglich auf der Strasse unterwegs sind und die schnellen Lieferungen durchführen?

«Die Kurierfahrer leisten eine grossartige Arbeit, auch unter den erschwerten Bedingungen. Sie sind sehr flexibel und passen sich schnell an neue Gegebenheiten an, das hilft in der aktuellen Ausnahmesituation. Die Gesundheit der Mitarbeitenden steht für uns an oberster Stelle und es wird alles unternommen, um die Kuriere zu schützen. Um die gesamte Bevölkerung zu schützen ist es gerade jetzt wichtig, dass Personen, welche Symptome zeigen, zu Hause bleiben. Mit dem «Gesamtarbeitsvertrag für Velokuriere und urbane Kurierdienstleistungen» sind unsere Kuriere auch in einem solchen Fall gut versichert, was leider bei den meisten anderen Anbietern nicht der Fall ist. Dort werden die Kuriere als «Scheinselbstständige» beschäftigt und haben keinen genügenden Schutz bei Krankheit oder Unfall.»

Wie sieht die Auftragslage aus? Werden aktuell mehr oder weniger Expresstransporte durchgeführt?

«Schnelle Transporte sind vor allem bei Medikamenten, Laborproben, wichtigen Dokumenten und Ersatzteilen gefragt. In der Periode von Mitte Februar bis Mitte März haben die Expresslieferungen im Gesundheitsbereich zugenommen. In der gleichen Zeitspanne wurden jedoch merklich weniger Reisevisa versendet. Nebst den Branchenunterschieden gibt es auch regional starke Unterschiede. So verzeichneten einzelne Kurierfirmen in den letzten beiden Märzwochen einen Umsatzrückgang von bis zu 40% wobei andere ein Umsatzwachstum von 10% verspürten.»

Die schnellste und ökologischste Städteverbindung in der Schweiz sind die SBB, welche von der swissconnect für den dringenden Gütertransport genutzt wird. Was bedeutet der reduzierte Fahrplan für die nationalen Expresslieferungen? 

«Wir arbeiten seit über 20 Jahren sehr eng mit den SBB zusammen und wurden gut über die Anpassungen des Fahrplanes informiert. In unserer eigenen Logistiksoftware, welche jeweils den schnellsten Weg vom Absender zum Empfänger berechnet, haben wir die nötigen Anpassungen vorgenommen. Wir sind nur wenig von den Fahlplananpassungen betroffen, unser einzigartiges Liefersystem funktioniert weiterhin sehr gut.»

Wie sieht die nahe Zukunft für die Schweizer Expresslogistikbranche aus?

«Die Menge an Sendungen wird steigen - gleichzeitig wird die Nachfrage nach anspruchsvollen, kundenspezifischen Logistiklösungen zunehmen. In der aktuellen Lage ist es schwer zu sagen, was in den nächsten Wochen passieren wird.  Trotz der herausfordernden Situation sehen wir, dass unsere Flexibilität und langjährige Logistikerfahrung bei Kunden aus der ganzen Schweiz weiterhin gut ankommen. Nebst der Logistikkompetenz ist die Schweizer Expresslogistikbranche mit unserer zentralen Logistiksoftware und dem dazugehörigen «Kurierapp» digital gut aufgestellt. Dies ermöglicht sehr effiziente Prozesse, was gerade jetzt doppelt wichtig ist. Der Zusammenhalt unter den Kurieren im swissconnect-Netzwerk ist gross und gerade in schwierigen Zeiten wichtig. Insofern blicke ich verhalten positiv in die Zukunft und wünsche allen weiterhin gute Gesundheit.»

 

 

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Christoph Masoner - Co-Geschäftsleiter

 

041 227 20 01 / Mail

Zur Person: 

Christoph Masoner war von 1985 bis 2009 als Velokurier in Wien und Luzern tätig. Er hat bei der Gründung des Velokuriers Lausanne, Biel, Solothurn, Olten, Winterthur, St. Gallen und Lugano mitgeholfen und die Firmen Ding Dong Shopping Kurier, Velokurier LuzernZug AG und swissconnect ag gegründet. Im Jahre 1999 hat er die Anforderungen für die erste digitale Kurierplattform der Schweiz definiert. Jene stellt dem Kunden das passende Transportmittel, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung – und das schweizweit. Christoph Masoners Ziel ist es, die nationale Expresslogistik schneller, ökologischer und cleverer zu machen.